Kommuniqué. Tagung des Verwaltungsrats auf Ministerebene

(Paris) — 29 April 2003

Die Drei E's (Energy Security, Environmental Protection and Economic Growth) - Energieversorgungssicherheit, Umweltschutz und Wirtschaftswachstum - bilden nach wie vor die energiepolitischen Leitprinzipien der IEA. Die Verwirklichung unserer gemeinsamen Ziele bedingt eine fortwährende Anpassung an sich wandelnde Rahmenbedingungen und ein ständig erneuertes Engagement. Das gilt besonders im Kontext der gegenwärtigen geopolitischen Instabilität in wichtigen Energie erzeugenden Regionen, der Preisvolatilität, des zunehmenden Energieverbrauchs und der wachsenden Gefährdung unserer Umwelt.

Der Energieversorgungssicherheit gilt nach wie vor unser Hauptaugenmerk
Wir bekräftigen nachdrücklich unsere Bereitschaft zur Bekämpfung jeglicher Störung der Ölversorgung, u.a. durch den sorgfältig geplanten Einsatz der Erdöl-Notstandsreserven, Verbrauchseinschränkungen und andere zweckmäßige Abwehrmaßnahmen.

Wir begrüßen die Vorteile des verstärkten Dialogs zwischen Erzeugern und Verbrauchern von Erdöl sowie zwischen den Sekretariaten von IEA und OPEC, der dazu beigetragen hat, die Effekte potentiell schwerwiegender Krisen an den Weltmärkten und für die Wirtschaft zu mindern. Wir nehmen die von den Ministern der OPEC-Länder eingegangene Verpflichtung, weiterhin für ein reichliches Angebot an den Weltölmärkten zu sorgen, mit Genugtuung zur Kenntnis, und wir verweisen auf die Korrelation zwischen Ölmarktvolatilität und niedrigen Industrievorräten sowie auf die Bedeutung, die einer angemessenen Vorratshaltung zukommt, um Vorsorge für saisonalen Bedarf zu treffen und die Stabilität am Ölmarkt zu fördern.

Das im vergangenen September in Osaka veranstaltete 8. Internationale Energieforum (IEF) hat einen wesentlichen Beitrag zu diesem Dialog geleistet. Wir sehen dem 9. IEF, das vom 22.-24. Mai 2004 in Amsterdam (Niederlande) stattfinden wird, erwartungsvoll entgegen und verpflichten uns zur aktiven Unterstützung einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Verbrauchern und Erzeugern.

Die jüngsten Ereignisse am Energiemarkt haben uns die zentrale Rolle der Energie für unsere kurzfristige Sicherheit erneut drastisch vor Augen geführt. Unsicherheit entsteht durch eine Vielzahl von Problemen, darunter geopolitische Instabilität, Naturkatastrophen, Terrorismus und sogar ein nicht bedarfsgerechter Regulierungsrahmen. Die zunehmend knappe Kapazität der Energieinfrastruktur und der Produktionseinrichtungen sowie die verminderten Substitutionsmöglichkeiten der Energieträger bedingen, dass den bestehenden Politiken und Verfahren zur Gewährleistung der Energieversorgungssicherheit verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Der wachsende Ölverbrauch der IEA-Mitglied- und Nichtmitgliedstaaten, namentlich im Verkehrssektor, erfordert seitens der Importländer größere Anstrengungen, in angemessenem Umfang Notstandsreserven aufzubauen und zu unterhalten.

Bewältigung der Herausforderungen in den Bereichen Investitionen, Diversifizierung, Effizienz und Technologie
Um den auf mittlere Sicht bestehenden Herausforderungen in Zusammenhang mit der Wahrung eines gesicherten, effizienten und zuverlässigen Energiesystems gerecht zu werden, bedarf es zügiger Aktionen. Es werden beträchtliche Neuinvestitionen erforderlich sein, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, die wachsenden energiebezogenen Treibhausgasemissionen zu reduzieren und das Problem zu lösen, dass mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung keinen Zugang zur Stromversorgung hat.

Die Vielfalt der Energieträger, Lieferquellen und Beförderungswege stellt nach wie vor eine unerlässliche Voraussetzung zur Verbesserung der Energieversorgungssicherheit dar. Jedes Land hat sich auf der Basis seiner Ausstattung mit Energieressourcen und seiner jeweiligen Politik für einen individuellen Energiemix aus Öl, Erdgas, Kohle, Kernkraft und erneuerbaren Energien entschieden. Wir fordern eine Fortsetzung der Entwicklung von Politiken und Programmen, in Übereinstimmung mit den nationalen Prioritäten, zur Förderung der Diversifizierung, u.a. durch eine verstärkte Unterstützung der Forschungs-, Entwicklungs-, Demonstrations- und Markteinführungsaktivitäten im Energiebereich. Wir bekunden unser fortbestehendes großes Interesse an einer Beschleunigung der kommerziellen Verfügbarkeit sauberer Technologien mit geringen Umweltbelastungen und Kohlenstoffemissionen.

So sehr wir anerkennen, dass seit dem ersten Ölpreisschock von 1973 viel zur Verringerung des Energieeinsatzes je Produktionseinheit getan wurde, können und müssen in dieser Hinsicht doch noch weitere Maßnahmen ergriffen werden. Wir verpflichten uns zur Steigerung der Energieeffizienz sowohl mittels einzelstaatlicher Programme als auch im Wege der internationalen Technologiezusammenarbeit. Zu diesem Zweck werden wir die Anreize zu einem effizienteren Markt- und Verbraucherverhalten, namentlich in Bezug auf Verkehr, Gebäude und Ausrüstungen, erhöhen. Wir werden darüber hinaus bestrebt sein, die Energieintensität durch Forschung und Entwicklung, technologische Innovation und internationale Zusammenarbeit zu verringern.

Unsere hohe und wachsende Abhängigkeit vom Öl, namentlich im Verkehrssektor, stellt uns vor bedeutende Herausforderungen in wirtschaftlicher, sicherheitsbezogener und ökologischer Hinsicht. Wir erkennen an, wie wichtig es ist, gemeinsam zu handeln und mit dem privaten Sektor zusammenzuarbeiten, um die Forschung und Entwicklung zur Steigerung des Kraftstoffwirkungsgrads und Erschließung wettbewerbsfähiger alternativer Energieträger in unseren Volkswirtschaften und weltweit zu beschleunigen. Wir bekunden insbesondere unsere Absicht, die Technologien für eine Zukunft, in der Wasserstoff eine wesentliche Rolle spielt, weiter zu entwickeln.

Wir nehmen den wachsenden Anteil von Erdgas in der Energieverbrauchsstruktur sowie eine in vielen Ländern zunehmende Abhängigkeit von Erdgasimporten zur Kenntnis, und wir haben die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die gesamte Energieversorgungssicherheit erörtert. Trotz der regional begrenzten Natur der Gasmärkte können sich Förder- und Verteilungsprobleme auf nationaler Ebene gleichwohl auf die globalen Energiemärkte auswirken. Wir fordern das Sekretariat auf, seine Bewertung dieser Anfälligkeit gegenüber Versorgungsstörungen fortzusetzen und Politikoptionen und strategien zu ermitteln, namentlich die Sicherung unterschiedlicher Erdgasquellen und Beförderungsrouten sowie die Entwicklung von Technologien, um zu einer größeren Erdgasversorgungssicherheit beizutragen. Bei diesen Anstren-gungen ist die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft von entscheidender Bedeutung.

Die Stärkung und Ausweitung der innerhalb und außerhalb unserer Grenzen wirksamen Marktkräfte kann zur Steigerung der Energieversorgungssicherheit, des Wirtschaftswachstums und des Umweltschutzes beitragen. Wir verpflichten uns zu einer Verbesserung der energiepolitischen Rahmenbedingungen, um die Märkte in die Lage zu versetzen, unsere globalen Investitions- und Handelsbedürfnisse zu decken, und um ein günstiges, für private Investitionen attraktives Umfeld zu fördern.

Förderung der internationalen Zusammenarbeit
Wir bestätigen die wachsende Bedeutung der nicht der IEA angehörenden Länder auf den Weltenergiemärkten und sind besonders erfreut über die Teilnahme des russischen Energieministers Igor Jusufow an dieser Tagung. Wir werden Russland und andere wichtige Länder aktiver in unseren energiepolitischen Dialog einbinden, und wir weisen das Sekretariat an, die globale Perspektive bei seinen Arbeiten zu stärken. Wir ermutigen insbesondere zur Beschleunigung der Zusammenarbeit im Bereich Energieversorgungssicherheit mit internationalen Organisationen und IEA-Nichtmitgliedstaaten, insbesondere jenen, die von entscheidender Bedeutung für Weltenergieangebot und nachfrage sind. Wir sind der Auffassung, dass Sicherheit nur innerhalb eines globaler ausgerichteten Rahmens gewährleistet werden kann.

Das Engagement zu Gunsten einer nachhaltigen Entwicklung
Wir würdigen die Bedeutung der auf dem Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im September 2002 erzielten Vereinbarungen und bestätigen unsere Verpflichtung zu deren Umsetzung. Wir verpflichten uns insbesondere, die Rolle der erneuerbaren Energien und anderer Energieträger mit geringeren Kohlenstoffemissionen im Energiemix zu stärken und auf die Gestaltung einer Zukunft hinzuarbeiten, in der ein wachsender Teil der Weltbevölkerung Zugang zu grundlegenden Energie-dienstleistungen haben wird. Wir werden unsere Anstrengungen fortsetzen, um die Auswirkungen der Energienutzung auf die globale Umwelt und insbesondere auf das globale Klimasystem zu mindern, in Übereinstimmung mit unseren Bemühungen gemäß der VN-Klimarahmenkonvention. Wir werden die Entwicklung neuer marktorientierter Instrumente, die eine wesentliche Voraussetzung zur Verwirklichung unserer Ziele im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung bei geringeren Kosten bilden, weiter fördern. Wir fordern die Weiterentwicklung der zur Erreichung dieser Ziele erforderlichen Technologien und rufen zu diesem Zweck dazu auf, mit der Hilfe des Sekretariats die Schwerpunkte unserer kooperativen FuE-Programme in strategischen Bereichen zu überprüfen.

Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung zur Förderung einer zukunftsfähigen Energieversorgung unter Beachtung der entsprechenden sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.

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